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Desingerode

Ein Dorf mal ganz anders gesehen

von Reinhard Schulzig, März 2005


Desingerode liegt nicht an den großen und breiten Straßen. Durch das Dorf führt nur die kleine Kreisstraße 105. Die großen und breiten Straßen verlaufen vor den Toren des Dorfes, obwohl durch den Bau der Umgehungsstraße für Esplingerode die Bundesstraße näher an Desingerode herangerückt ist.

Begrüßt wird der Besucher von einem imposanten hölzernen Schild, auf dem die Rose, das Wappen von Desingerode, dargestellt ist. Die Rose ist nicht nur Abbild der Schönheit und der Eleganz, sie ist hier auch ein Hinweis auf die Geschichte des Dorfes. 1308 verwendete Johann von Desingerode die Rose in seinem Siegel. Das Schild sagt auch aus, das Desingerode zu den ganz alten Dörfern im Eichsfeld gehört. 2002 wurde die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes vor 1050 Jahren gefeiert. Noch weiter zurück in der Geschichte liegt der Ursprung der Hügelgräber im Desingeröder Wald, die schon Jahrhunderte vor Christi Geburt entstanden sind.

Egal von welcher Richtung her man nach Desingerode kommt, bald begegnet man einem mehr oder weniger großen Bauernhof. Die Landwirtschaft ist in Desingerode immer noch ein wichtiger Wirtschaftszweig, auch wenn die Zahl der Haupterwerbslandwirte abnimmt. Sieht man sich solche Höfe -besonders die kleinen- einmal an, entdeckt man dort noch Schweine, Hühner, Gänse, Enten, Katzen und natürlich auch einen Hofhund.

Noch etwas begegnet dem Besucher recht schnell: Die Zeugen des Glaubens der Menschen hier: Die „Heiligenpfosten" aus Sandstein gehauen und verziert mit Bildern, Blumen und Darstellungen von Heiligen. Manche von diesen Säulen sind weit über 300 Jahre alt und erinnern uns an die Geschichte Desingerodes, das viele Jahrhunderte zum Erzbistum Mainz gehört hat. Während sich in anderen Gebieten die Reformation durchsetzte, blieb das Eichsfeld und damit auch Desingerode immer katholisch.

Das unübersehbare Zeichen des Glaubens der Desingeröder ist Ihre Dorfkirche "Sankt Mauritius und Gefährten". Auf einem Berg im Dorf errichtet, steht sie dort seit fast 250 Jahren. Wer in dieses Gotteshaus hineingeht, der bekommt ein bisschen das Gefühl, dass sich für ihn der Himmel öffnet. Im Barock stattete man die Kirchen sehr prächtig aus, weil man sich in der Kirche den Himmel auf die Erde holen wollte.

Mitten im Dorf steht die Dorflinde auf dem Thieplatz. Zwar sagt im Dorf niemand zu diesem Platz Thieplatz, aber von seiner Form und Lage her, ist er einem solchen historischen Versammlungsplatz nachempfunden. Die Linde, die hier steht, ist ein noch junger Baum, der erst 1987 gepflanzt wurde. Vorher stand hier ein mächtiger Baum, gepflanzt 1844, der sich in seinem Drang zum Licht stark nach Norden geneigt hatte. In seiner Gewitternacht des Jahres 1986 brach dieser Baum kurz über den Wurzeln ab. Viele Generationen haben unter dem Blätterdach dieses Baumes gespielt und viele haben sich ausgeruht auf der kleinen Bank die dort steht. Ein Gedenkstein erinnert an die große alte Linde.

Wer von Seulingen her über den Berg nach Desingerode kommt, der sieht, dass Desingerode auch ein modernes Gesicht hat. Hier oben auf dem Klimp und am Wanneweg sind neue Häuser entstanden, in denen junge Familien wohnen, die sich hier Ihr „Nest" gebaut haben. Die Zukunft Desingerodes beginnt hier. An anderer Stelle im Dorf, neben dem Sportplatz, ist ein weiteres Baugebiet, wo Desingerode größer geworden ist. Apropos größer werden! Desingerode hat heute 550 Einwohner. Die Gemarkung umfasst rund 5km2.

Die Desingeröder, denen man den Kosenamen "Ziegenböcke" gegeben hat, sind Menschen die mit beiden Beinen im Leben stehen. Sie haben viel Humor, sind aber auch ein wenig empfindlich. Großgeschrieben wird hier die Geselligkeit und die Dorfgemeinschaft. Treffpunkte sind das Pfarrheim, das Sporthaus, das Feuerwehrgerätehaus, der Schießstand der Kyffhäuser Kameradschaft und auch der Saal der ehemaligen Gastwirtschaft Freckmann.

Doch gehen wir jetzt weiter in Desingerode spazieren. Hier gibt es viele kleine verträumte Nebenstraßen. Um diese Straßen zu sehen, muss man nur von der Desingeröder Straße abbiegen. Die Mauritiusstraße und die Christian-Krebs-Straße sind schöne Beispiele für diese kleinen Straßen. An der Burgstraße zum Beispiel liegt das "Gänsepark-Stadion", der Sportplatz, die Heimat für die Sportler

Und natürlich gibt es in Desingerode noch Gewerbebetriebe, wie z.B. einen Kfz-Meisterbetrieb, einen Elektromobilhändler und eine Gebäudereinigungsfirma. Stolz sind die Desingeröder auf Ihren Kindergarten. Das Dorf hat einige Vereine: die Frauengemeinschaft, den Sportverein DJK (Deutsche-Jugend-Kraft), die Kyffhäuser Kameradschaft, die Freiwillige Feuerwehr und die Kolpinggemeinschaft, ja sogar einen Carnevalclub gibt es hier.

Am Rand des Dorfes liegt der Friedhof, wo jene bestattet sind, denen wir heute unser Dorf verdanken.

Es gibt noch viel mehr zu sehen in Desingerode in der Stadt Duderstadt und im Eichsfeld.